Neujahrsansprache von Stadtpräsidentin Barbara Horlacher

Liebi Lüüt vo Brugg

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr!

2026 begrüsst uns mit prächtigstem Winterwetter. Gleichzeitig wird der heutige Neujahrstag aber auch überschattet von einer furchtbaren Brandkatastrophe im Wallis und vom Leid, das Menschen in der ganzen Welt tagtäglich erfahren. Es ist ein Tag, an dem uns bewusst wird, wie nahe Freude und Leid liegen. Und so sind, während wir hier gemeinsam feiern und dankbar auf das vergangene Jahr zurück- und erwartungsvoll auf das kommende Jahr vorausblicken, unsere Gedanken auch bei den Menschen, die sich in persönlich schwierigen Situationen befinden und dem neuen Jahr mit Sorge entgegenschauen.

Für die Stadt Brugg ist 2026 ist ein besonderer Jahresanfang. Zum ersten Mal dürfen wir diesen nämlich zusammen mit der Bevölkerung aus unserem jüngsten Stadtteil Villnachern feiern und unser heutiger Neujahrsanlass steht denn auch ganz im Zeichen des Zusammenschlusses der Stadt Brugg und der Gemeinde Villnachern. Dieser war eine der wichtigsten Aufgaben, die uns über die gesamte letzte Legislatur begleitet hat. Mehr dazu dann später. Zuerst möchte ich jedoch noch auf einige weitere Themen eingehen, die uns aktuell beschäftigen.

Nationale Aufmerksamkeit erregte das temporäre Alkoholkonsumverbot, das der Stadtrat im letzten August verhängt hat. Nach verschiedenen Vorfällen, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung im Gebiet rund um den Bahnhof massiv beeinträchtigt hatten, sah sich der Stadtrat zu dieser Massnahme, die durch eine massive Verstärkung der Polizeipräsenz begleitet wurde, gezwungen.

Erfreuliches kann ich zum neuen Verwaltungsgebäude berichten. Nach dem positiven Entscheid der Stimmbevölkerung zum Erwerb der Liegenschaft an der Hauptstrasse 1 im November 2024, hat der Einwohnerrat im vergangenen September den Kredit für die Projektierung der Instandstellung und des Umbaus der Liegenschaft gutgeheissen. Seit Dezember läuft die Suche nach einem geeigneten Planerteam, das uns bei diesem Vorhaben begleitet. Das Interesse an der Aufgabe scheint gross und wir freuen uns darauf, diesen Frühling mit der Planung der Umbauarbeiten beginnen zu können. Unser Ziel ist es, Einwohnerrat und Stimmbevölkerung im Verlauf des Jahres 2027 den Baukredit vorzulegen, so dass der Umbau 2028 starten und die Verwaltung 2029 ihr neues Zuhause beziehen kann.

Ebenfalls gut auf Kurs sind die beiden grossen Projekte zur langfristigen Siedlungsentwicklung. So konnte im vergangenen Jahr die Mitte 2024 begonnene Testplanung zur Zukunft des Gebiets südlich des Bahnhofs abgeschlossen werden. Für das Aufeld-Aegerten liegt der Entwurf eines Leitbilds vor, zu dem die Bevölkerung 2026 Stellung nehmen kann.

Auch bei der Bereitstellung von Schulraum konnten wir wesentliche Fortschritte erzielen. Diesen Herbst erfolgte der Baustart zum Um- und Ausbau der Primarschule Umiken. In einem ersten Schritt wird der Neubau realisiert und im Anschluss an dessen Bezug im Frühling 2027 das bestehende Schulhaus saniert. Als äusserst herausfordernd erweist sich dagegen die Schulraumplanung Oberstufe. Die ursprüngliche Idee, alle Oberstufenklassen im Zentrum zu konzentrieren, musste aus Platzgründen verworfen werden. Die aktuelle Planung verfolgt den Ausbau der Schulanlage Langmatt.

Im Stadtrat stehen uns personelle Veränderungen bevor. Vizeammann Reto Wettstein und Stadtrat Jürg Baur sind im Herbst nicht mehr zur Wahl angetreten. Gerne danke ich den beiden an dieser Stelle für ihr langjähriges politisches Engagement zugunsten der Stadt Brugg. Ihre Aufgaben übernehmen in der neuen Legislatur die beiden neu gewählten Stadtratsmitglieder - Vizepräsident Michel Indrizzi wird das Ressort Bildung und Sport betreuen, Stadträtin Alexandra Dahinden übernimmt das Ressort Gesellschaft. Ich heisse die beiden herzlich willkommen im Team und wünsche ihnen schon heute viel Freude und Befriedigung bei ihren Aufgaben.

Damit beende ich meinen Rück- und Ausblick und komme zum zentralen Ereignis des heutigen Tages, dem Gemeindezusammenschluss von Villnachern und Brugg.

Ich wage zu behaupten, dass es im Kanton Aargau wohl kaum eine andere Gemeinde gibt, die so viel Erfahrung mit Gemeindezusammenschlüssen aufweisen kann wie Brugg. Wir haben diesbezüglich in den letzten 125 Jahren fast schon so etwas wie eine Tradition entwickelt.

Bereits 1901 erfolgte die Vereinigung Altenburgs mit Brugg – und zwar gegen den erklärten Willen der Bevölkerung, was damals keinen Einzelfall darstellte. 1891 hatte der Grosse Rat nämlich befunden, dass viele kleinere Gemeinden Mühe bekunden würden, Verwaltung und Rechnungswesen geordnet auszuführen. Er verfügte deshalb bis 1913 insgesamt 14 Zusammenschlüsse von 30 Gemeinden.

Im Gegensatz zu seiner Haltung um die Jahrhundertwende gewichtete der Grosse Rat Mitte der 1960er-Jahre dann die Existenzberechtigung und die Autonomie einer Gemeinde stärker. Ein positiver Entscheid zu einem Gemeindezusammenschluss war nur noch erhältlich, wenn ihn die Bevölkerung mit grossem Mehr unterstützte. So lehnte der Grosse Rat 1964 die Vereinigung von Lauffohr mit Brugg aufgrund des knappen Resultates in Brugg ab, obwohl sich die Lauffohrer deutlich für einen Zusammenschluss ausgesprochen hatten. Weil in Lauffohr nach diesem ablehnenden Entscheid keine Ruhe einkehrte, beschlossen die Gemeinderäte von Brugg und Lauffohr, die Frage erneut aufzurollen. Nachdem sich die Brugger deutlich und die Lauffohrer - dieses Mal äusserst knapp - hinter einen Zusammenschluss gestellt hatten, genehmigte der Grosse Rat im November 1969 die Verschmelzung der beiden Gemeinden auf den 1. Januar 1970.

Zwei Anläufe brauchte es auch, bis sich die Gemeinde Umiken 2010 der Stadt Brugg anschliessen konnte. Einen ersten Versuch eines Zusammenschlusses hatte der Grosse Rat 1923 noch abgelehnt.

Auf Anhieb - allerdings nach rund sieben Jahren Vorbereitung - klappte der Zusammenschluss mit Schinznach-Bad auf den 1. Januar 2020.

Und nun, in der Nacht auf den 1. Januar 2026, wurde also der Zusammenschluss der Gemeinde Villnachern mit der Stadt Brugg Wirklichkeit.

Die Motivation, Fusionsabklärungen zu treffen und ein entsprechendes Projekt unterstützend vorwärtszubringen, hat unterschiedliche Gründe. Hier treffen strategische, synergiefördernde und systemstärkende Argumente auf Emotionen und Ängste in Bezug auf den Verlust von Autonomie und Identität. Dabei gilt es aber vor allem auch zu berücksichtigen, dass Leben Veränderung bedeutet, und dass, wer Verantwortung für seine eigene Zukunft übernehmen und sich bietende Chancen nutzen will, sich mit diesen Veränderungen aktiv auseinandersetzen, sich den Herausforderungen stellen und bereit sein muss, allenfalls auch neue Richtungen einzuschlagen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Brugg und Villnachern mit dem Zusammenschluss einen richtigen und für die Zukunft unserer beiden Gemeinden und der ganzen Region wichtigen Schritt machen. Die Initiative dazu ging vom Gemeinderat Villnachern aus, der aufgrund der auf die Gemeinde wartenden Herausforderungen Handlungsbedarf erkannte. Seitens Brugg zeigte man Offenheit für die Anliegen der Nachbarsgemeinde und war bereit, sich auf den gemeinsamen Weg einzulassen.

Gerne danke ich an dieser Stelle nochmals all denjenigen, die den Gemeindezusammenschluss angestossen, mitgetragen und bis heute begleitet haben. Das sind meine Stadtratskollegin und -kollegen, ganz besonders aber Roland König, Richard Zickermann, Marianne Möckli, Stephan Breitenmoser und Claudio Schaad, die sich bis gestern mit viel Herzblut und grossem Engagement als Gemeinderäte für Villnachern eingesetzt haben. Euch allen danke ich für euer Engagement, für die gute Zusammenarbeit und für euer Vertrauen in den vergangenen Jahren. Danken möchte ich auch allen, die auf der operativen Ebene für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes zuständig waren - allen voran Gemeindeschreiberin Seline Mahrer, Stadtschreiber Matthias Guggisberg und Stadtschreiber-Stellvertreterin Doris Rütimann, die als Projektleitende die Fäden zusammengehalten haben, aber auch den Mitgliedern der verschiedenen Arbeitsgruppen und den Verwaltungsmitarbeitenden. Gerne schliesse ich in meinen Dank auch die Nachbarsgemeinden ein, mit denen Villnachern bisher zusammengearbeitet hat und die sich nach dem Entscheid Villnacherns, sich Brugg anzuschliessen, in verschiedenen Bereichen neu organisieren mussten.

Ein besonderer Dank geht an die Bevölkerung von Villnachern und Brugg. Sie haben den Gemeindezusammenschluss mitgetragen. Ich selbst bin überzeugt, dass wir innert Kürze, wenn wir von der Stadt Brugg sprechen, Villnachern genauso mitmeinen, wie dies heute bei Altenburg, Lauffohr, Umiken und Schinznach-Bad der Fall ist. Ich selbst stamme aus einer ehemaligen Fusionsgemeinde und habe mich als Umikerin in Brugg nie im Nachteil empfunden. Ich fühle mich als Bruggerin und, dass ich 2017 als Frau Stadtammann gewählt wurde, zeigt mir, dass auch ich in der Stadt als Bruggerin akzeptiert werde. Als Stadtpräsidentin vertrete ich die Interessen der ganzen Stadt und ihrer gesamten Bevölkerung und ich weiss, dass auch meine Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat und die Mitglieder des Einwohnerrats ihre Entscheide immer mit Blick auf das Wohl der ganzen Stadt treffen. Mit Stolz trage ich heute das Brugger Wappen, die Frage nach meinem Wohnort beantworte ich aber ganz selbstverständlich mit «5222 Umiken».

Ich bin überzeugt, dass Villnachern mit der Aufgabe seiner Gemeindeautonomie nicht auch seine Identität verlieren wird, genauso wenig wie das Altenburg, Lauffohr, Umiken und Schinznach-Bad getan haben. Ich erlebe Brugg als eine Stadt mit verschiedenen Stadtteilen, von denen jeder seinen eigenen Charakter hat. Ich bin überzeugt, dass Villnachern seine DNA, also das, was die Gemeinde bisher charakterisiert und lebenswert gemacht hat, auch als Stadtteil von Brugg bewahren wird. Denn Identität ist nicht etwas, das vom Ort des Verwaltungssitzes einer Gemeinde ausgeht. Nein, Identität schaffen wir selbst, indem wir uns für den Ort, die Gesellschaft da, wo wir leben, einsetzen und uns aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben beteiligen.

Dafür danke ich Ihnen, liebe Bruggerinnen und Brugger. Danke sage ich Ihnen auch für das Vertrauen, dass Sie dem Stadtrat im vergangenen Jahr entgegengebracht haben. Es ist eine spannende und schöne Aufgabe, die Stadt mitgestalten zu dürfen. Und das bisher Erreichte, aber auch die anstehenden Aufgaben motivieren uns, uns weiterhin für Brugg und seine Bevölkerung einzusetzen.

Im Namen des Stadtrates wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen fürs neue Jahr gute Gesundheit, Zuversicht, Glück und alles Gute! Mögen Ihre Wünsche und Erwartungen in Erfüllung gehen und 2026 für Sie zu einem guten Jahr werden!

Barbara Horlacher

Stadtpräsidentin

 

Neujahrsansprache 2026 [pdf, 68 KB]

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